Der Alzgau Trostberg und seine Geschichte

Der Alzgau Trostberg wurde im Jahr 1925 gegründet und damals als 37. Gauverband als Mitglied in den Bayerischen Schützenverband aufgenommen. 1. Gauschützenmeister war der Elektromeister Max Federhofer aus Trostberg. Bei der Gründung traten 12 Schützenvereine mit 261 Mitgliedern dem neuen Gauverband bei. Das 1. Gauschießen fand noch im gleichen Jahr statt. Preise wurden damals unter anderem von Kronprinz Rupprecht von Bayern, Prinz Alfons von Bayern und von Graf Törring-Jettenbach gestiftet. Bis 1935 waren drei weitere Schützengesellschaften dem Alzgau beigetreten und die Zahl der Mitglieder war auf 723 gestiegen. Während des 2. Weltkriegs ruhten die Aktivitäten.
1954 wagte man unter 1. Gauschützenmeister Max Federhofer einen Neuanfang. Er war die maßgebliche Triebfeder bei der Wiedergründung. Alle 15 Schützengesellschaften, die schon vor dem Krieg Mitglied waren, schlossen sich wieder an. Nach über 30-jähriger Tätigkeit stellte Federhofer 1957 sein Amt zur Verfügung. Noch in derselben Versammlung wurde er aufgrund seiner außerordentlichen Verdienste zum Ehren-Gauschützenmeister ernannt. Zu seinem Nachfolger wurde Stefan Pinsl jun., ebenfalls aus Trostberg, gewählt. Der Goldschmied Simon Münch in Grassau fertigte eine Gauschützenkette an. Eine Sammlung ermöglichte die Umsetzung des Vorhabens. Gauschriftführer Benedikt
Mösl hat die Finanzierung dieser Kette in dieser großzügigen Ausfertigung ermöglicht. Die Stadt Trostberg hat das Mittelstück der Kette finanziert, welche das Trostberger Stadtwappens darstellt. Ehren-Gauschützenmeister Max Federhofer stellte den ihm persönlich von seiner königlichen Hoheit, Prinz Alfons, überreichten „Prinz-Alfons-Orden“ als weiteres Hauptstück zur Verfügung. Die beiden Trostberger Schützengesellschaften, die Königlich privilegierte Feuer- und Zimmerschützengesellschaft, sowie die Alztaler, haben je 100 Mark gestiftet. Die Schützenmeister der Vereine warben in ihren Vereinen dafür, dass alte Silbertaler für die Schützenkette gestiftet werden. Um diese wertvolle Kette ging es 1957 beim ersten Gauschießen nach dem Krieg bei der Sportschützengesellschaft St. Georgen, an dem 383 Personen teilnahmen. Gauschützenkönig und somit der erste Träger der neuen Schützenkette war Josef Hocheder aus Altenmarkt mit einem 20-Teiler. Erster Gaumeister wurde Vinzenz Jobst von der SG Kammer-Rettenbach mit 87 Ringen. Die Gaumannschaftsmeisterschaft
errang die Sportschützengesellschaft St. Georgen. Seit 1957 wird das Gauschießen jedes Jahr durchgeführt. Lediglich 2020 und 2021 musste es wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.
Unter der Führung von Gauschützenmeister Peter Holzner sen. unternahmen 1958 Schützen aus dem Alzgau Trostberg erstmals eine Busfahrt zum Oktoberfest-Landesschießen nach München. Der Alzgau erreichte damals den 18. Platz unter 50 Mannschaften und erhielt hierfür eine Medaille in Silber, die an der Gauschützenkette angebracht wurde.
Bei der Gauversammlung 1967 wurde beschlossen, Rundenwettkämpfe abzuhalten. Im ersten Jahr beteiligten sich zwölf Mannschaften, die in vier Gruppen aufgeteilt waren. Als erste Mannschaft vom Alzgau ist 1968 die Sportschützengesellschaft Stein-St. Georgen in die Bezirksliga Oberbayern aufgestiegen. Zu dieser Zeit hatte der Alzgau bereits 1367 Mitglieder. Aufgrund einer schweren Erkrankung musste Peter Holzner sen. sein Amt zur Verfügung stellen. Er hatte 1957 die Nachfolge von Stefan Pinsl jun. als Gauschützenmeister angetreten. Als sein Nachfolger wurde sein Vorgänger Stefan Pinsl gewählt, der dieses Amt bis 1985 ausübte. Peter Holzner wurde Ehren-Gauschützenmeister. 1970 wurde erstmals ein Gauausschuss gewählt, dessen Mitglieder dem Vorstand beratend zur Seite stehen.
1978 schied Benedikt Mösl aus der Gauvorstandschaft aus und wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Von 1986 bis 1997 leitete Ernst Saxberger die Geschicke des Alzgaues Trostberg. Unter seiner Führung stieg die Zahl der Mitglieder weiter an und auch die sportlichen Leistungen stiegen auf ein neues Niveau. Aufgrund seiner Verdienste um das Schützenwesen wurde Ernst Saxberger 1997 zum Ehren-Gauschützenmeister ernannt. 1999 wurde er als bisher einziges Mitglied aus dem Alzgau zum Ehrenmitglied des Bezirkes Oberbayern im Bayerischen Sportschützenbund ernannt. Ernst Saxberger ist 2020 im Alter von 90 Jahren verstorben.
Als Saxbergers Nachfolger wurde Hans Daschiel aus Emertsham gewählt, der dieses Amt für eine Wahlperiode bis zum Jahr 2000 innehatte. In seiner Amtszeit wurde ein sogenannter Leistungsverein gegründet, um Mannschaften für weiterführende Meisterschaften bündeln zu können. 2000 wurde Armin Singer aus Trostberg zum 1. Gauschützenmeister gewählt. Er hatte das Amt bis zum Jahr 2016 inne und wurde dann zum Ehren-Gauschützenmeister ernannt. Sein Nachfolger wurde Anton Hochreiter aus Kienberg. Der Alzgau Trostberg hatte zu jener Zeit etwa 3500 Mitglieder in 37 Vereinen. Neben den bereits genannten Personen sind Marianne Garnreiter, Peter Holzner, Hans Stoiber, Rudolf Kojer und Alois Wimmer, Hans Schwankner und Hans-Georg Arlt Ehrenmitglieder des Alzgaus.
Sportliche und gesellige Veranstaltungen im Alzgau sind das Gauschießen, die Gaumeisterschaften, Rundenwettkämpfe, das Gaupokalschießen, Jugendmeisterschaften, Damenpokalschießen sowie Gau-Oldie-Cup-Schießen. Höhepunkte im Schützenjahr sind die Schützenwallfahrt nach Irsing, das Gauschüzenfest, das Gauschießen sowie der Gauschützenball, bei dem die neuen Könige für Luftgewehr,
Luftpistole und Jugend proklamiert werden. Außerdem werden Gaukönige auch in den DisziplinenKleinkaliber, Zimmerstutzen und Senioren-Auflage ermittelt.
Das 80-jährige Bestehen des Alzgaus Trostberg wurde im Jahr 2005 mit der Ausrichtung des 55. Oberbayerischen Bezirksschützentages feierlich begangen. Dabei wurde bei einem Festgottesdienst in der Trostberger Stadtpfarrkirche auch die neue Gaustandarte geweiht. Ein weiteres Mal fand der Bezirksschützentag im Jahr 2011 in Pertenstein statt. 2014 war der Alzgau erstmals Ausrichter der
Bezirksschützenwallfahrt, die erstmals 1990 stattfand. Das nächste große Jubiläum steht im Jahr 2025 an: Dann wird der Alzgau 100 Jahre alt.

Monika Auer / Klaus Oberkandler

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